M&A-Jahr 2011: Branche investiert gezielt in die Zukunft
Die M&A-Aktivitäten der deutschen Verlage haben sich 2011 vom Einbruch nach der Wirtschaftskrise deutlich erholt. Dies ergab eine Studie der auf die Verlagsbranche spezialisierten Unternehmensberatung Bartholomäus & Cie. aus Frankfurt. Mit 225 Übernahmen und Beteiligungen deutscher Verlage wurden rund 10 Prozent mehr Deals registriert als im Vorjahr. Allerdings verloren die Investitionen im 2. Halbjahr wieder an Fahrt: nach 121 Deals im ersten Halbjahr sank die Zahl abgeschlossener Transaktionen in der zweiten Jahreshälfte auf 104.
Das Gesamtvolumen der Transaktionen (gemessen am Umsatz der Kaufobjekte) erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr sogar um 40% Prozent auf rund 3,5 Mrd. € (2,5 Mrd. in 2010). Den größten Anteil daran hatten die Tageszeitungen (rund 1,6 Mrd. € – bedingt durch den „Mega-Deal“ WAZ) und der Buchhandel (rund 0,78 Mrd. €). Die meisten Transaktionen zeigten die Fachmedien (53), die Publikumsverlage (43) und der Buchhandel (38). Im Jahresvergleich stiegen die Deal-Zahlen in fast allen Marktsegmenten an.
Eine Reihe prominenter Transaktionen prägte das Geschehen 2011, z.B. im digitalen Bereich die Übernahmen des französischen Immobilienportals „SeLoger.com“ durch Axel Springer oder der Ausbau der Beteiligungen von Burda („zooplus.de“) und Thalia (buch.de“). Speziell die Konsolidierung unter den regionalen Tageszeitungen beschleunigte sich 2011 wieder: neben der „WAZ“ wurden Übernahmen bzw. Beteiligungen am „Westfalen-Blatt“, „Märkische Allgemeine Zeitung“ und „Südkurier“ abgeschlossen. Mit der Mediengruppe Pressedruck etablierte sich dabei ein neuer Player im Konzert der großen Tageszeitungsgruppen. Bertelsmann hat seinen Ausstieg aus den internationalen Buchclubs durch den Verkauf der Direct Group France nahezu abgeschlossen.
Investorenverhalten spürbar verändert
Digitale Geschäftsmodelle waren erneut bei rund einem Drittel der Deals gesucht (36% im Vorjahr). Der Schwerpunkt lag auf transaktions-getriebenen („e-Commerce“) – sowie Community-Geschäftsmodellen. Daneben expandierten die großen Verlagsgruppen gezielt in digitale Dienstleistungen wie location-based services („couponing“) und social media marketing, und setzten damit ihren strategischen Umbau von Print- zu digitalen Medien konsequent fort.
Mittelständische Verlage – also das Gros Zahl der Unternehmen in der Medienbranche – zeigten 2011 wieder deutlich mehr Mut zu externem Wachstum: im Durchschnitt schlossen sie größere Deals ab als im Vorjahr, und mehr strategische Übernahmen und Beteiligungen. Dabei war eine deutlich gestiegene Bereitschaft von Printhäusern zu beobachten, durch strategische Investments in neue Medienformate (z.B. Portale, Events) und in Dienstleistungen zu diversifizieren.
Das historische Kerngeschäft der deutschen Verlage, das Bedrucken von Papier, gerät damit beim externen Wachstum zunehmend in den Hintergrund.
Ausblick 2012 von Unsicherheit geprägt
Wie alle Investitionen sind auch M&A-Entscheidungen stark vom Markt- und Konjunkturklima abhängig. Die Lage zu Beginn des Jahres 2012 ist von Unsicherheit in Folge der Staatsverschuldungs- und Euro-Debatte geprägt, der Rückgang der wirtschaftlichen Dynamik ist spürbar und die Kernfrage wird sein, ob (und wie stark) die deutsche Wirtschaft tatsächlich in eine Rezession gerät. Diese Vorsicht bedeutet, dass der im Vorjahr vorhandene konjunkturelle „Rückenwind“ für strategische Entscheidungen nachlässt, was sowohl auf Käufer- als auch auf Verkäuferseite eher zu einer weiteren Zurückhaltung führen sollte. Das könnte auch das Interesse an M&A-Investitionen im Jahr 2012 spürbar schwächen. Sofern allerdings externe Schocks ausbleiben sollte sich der Anstieg des M&A-Marktes in der Medienbranche auch 2012 fortsetzen.
Die Studie „Transaktionsmonitor Verlagswesen 2011“ erscheint am 26. Januar 2011. Sie enthält eine detaillierte Dokumentation aller 225 registrierten Transaktionen und ist gegen eine Schutzgebühr von 249 € (PDF-Version) bzw. 299 € (Print-Version) erhältlich über www.ba-cie.de

Die Überschrift enthält einen Verschreiber. Das müsste “inverstiert” statt “investitiert” heißen.